Hermann Voss

Hermann Voss kam 1934 in Brünen (Niederrhein) zur Welt. Nach dem Abitur am Düsseldorfer Max-Planck-Gymnasium und einem schulbegleitenden Geigenunterricht am Robert-Schumann-Konservatorium studierte er an der Musikhochschule Freiburg Violine bei Sándor Végh und anschließend Viola bei Ulrich Koch. Gegen Ende des Studiums nahm er 1959 und 1960 an den von Pablo Casals in Zermatt abgehaltenen Sommerkursen teil. Im Jahr 1959 gewann Hermann Voss den 1. Preis des Deutschen Hochschulwettbewerbs in Stuttgart und war 1962 Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in München. Von 1960 bis 1967 hatte er unter Karl Münchinger eine Stelle als Solobratschist des Stuttgarter Kammerorchesters inne. Von 1965 bis 2005 war er vierzig Jahre lang Bratschist des Melos Quartetts. Als Mitglied des Melos Quartetts gewann er 1966 den Internationalen Genfer Musikwettbewerb, 1967 den Villa-Lobos-Wettbewerb in Rio de Janeiro und 1970 den Wettbewerb des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Konzertreisen mit dem Melos Quartett führten Voss auf alle fünf Kontinente. Für die Tonträgerunternehmen Intercord, Deutsche Grammophon und Harmonia Mundi France spielte das Melos Quartett das klassisch-romantische Repertoire für Streichquartett und Streichquintett nahezu vollständig auf Schallplatte und Compact Disc ein. Viele Aufnahmen wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Musikalisch arbeitete das Melos Quartett mit weltweit herausragenden Künstlern zusammen, darunter Emanuel Ax, Franz Beyer, Karl Engel, Dietrich Fischer-Dieskau, Leonard Rose, Mstislaw Rostropowitsch, Arthur Rubinstein und Sir Georg Solti. Zusätzlich trat Hermann Voss auch als Solist mit Viola und Viola d’amore auf. Im Jahr 1994 gründete Voss das Busoni-Ensemble, ein Klavierquartett, in dem er als Bratscher mit Andrzej Ratusinski, Ingolf Turban und Wen Sinn Yang zusammenwirkte. Ab 1975 war er als Dozent für Streichquartettspiel und von 1980 bis 2005 als Professor für Viola und Kammermusik an der Musikhochschule Stuttgart tätig. Nebenbei beteiligte er sich an internationalen Meisterkursen in Ratzeburg, Oberstdorf, London, Sydney und Tokyo sowie an der Akademie für Streichquartettinterpretation der Hindemith-Stiftung in Blonay. Neben den Aufgaben als Musiker übte Voss eine bildnerisch gestaltende Tätigkeit aus. Es entstanden zahlreiche Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle und Acrylbilder. Regelmäßig gab Hermann Voss private und öffentliche Auftritte mit selbst geschaffenen Marionettenfiguren, Masken und Instrumenten in eigenen musikalischen Miniaturen und Pantomimen. Mit Bühnenstücken wie dem „Festival kleiner Interpreten“ ging er als Marionettenspieler auf Reisen. Im Res Nove Verlag sind bisher zwei Bücher von Hermann Voss erschienen: 2017 ein Bildband unter dem Titel „Hackordnungen im Quadrat – Bleistiftzeichnungen von Hermann Voss“ und 2019 die Festschrift „Eine Vernissage mit Bach, Schubert, Mendelssohn und Brahms.“